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Recycling von Elektroauto-Akkus

Recycling

Von Birte Leonhardt // Aktualisiert: 24.06.2022

Elektroautos boomen und dennoch stößt man, wenn man sich mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt, immer wieder auf einen Kritikpunkt: die mangelnden Recycling-Möglichkeiten für Elektroauto-Akkus. Doch was hat es mit dem Recycling auf sich? Wie funktioniert es und welche Möglichkeiten gibt es momentan? In unserem Artikel erfährst du alle Details!


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Recycling von Elektroauto-Akkus steckt noch in den Kinderschuhen.
  • Second Life ist eine Variante des Recyclings.
  • Pilotprojekte arbeiten an weiteren Recycling-Methoden.

Recycling

Elektroautos arbeiten verschleißarm, energieeffizient, geräuschlos und CO2-frei und so gibt es beim Elektroauto kaum Verschleißteile, die mit der Zeit kaputtgehen können. Dennoch gibt es das Herzstück des E-Autos: den Akku, der durch wiederholtes Aufladen und Entladen mit der Zeit Speicherkapazität verliert, was die Reichweite und die gesamte Lebensdauer des Elektroautos beeinflusst. Die Hersteller gehen davon aus, dass bei durchschnittlicher Nutzung der Akku nach acht Jahren noch etwa 80 % der Speicherkapazität hat. Nichtsdestotrotz sollte das Recycling betrachtet werden und wie die Akkus weiter genutzt werden können, auch wenn sie nicht mehr für E-Autos verwendet werden können. Denn bereits 2022 müssen sich allein in Österreich die Entsorger um etwa 200 Tonnen gebrauchte und nicht recyclebare Elektroauto-Akkus kümmern. Diese werden zudem in den nächsten Jahren immer mehr werden. Das Recycling von Elektroauto-Akkus hat neben dem komplizierten Recycling-Prozess noch weitere Tücken: denn es gibt im deutschsprachigen Raum bisher kaum Entsorgungswerke, die das Recycling übernehmen. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Werke spezialisiert sein müssen und in den Werken besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen, wie beispielsweise strikte Brandschutzmaßnahmen. Zudem ist das Recycling von den Lithium-Ionen-Akkus für viele Entsorger bisher nicht wirtschaftlich und so wird tonnenweise Gefahrengut nach Deutschland geliefert, um dort recycelt zu werden. Zudem erschwert die ständige Veränderung der Lithium-Ionen-Akkus, was ihre Zusammensetzung und Leistungsfähigkeit angeht, das Recycling für die Entsorger. Denn viele Autohersteller verwendet individuelle Erzeugnisse und es mangelt den Entsorgern an Produktinformationen über die Zusammensetzung der Akkus.


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Second Life

Eine Methode, um alte Akkus zu recyceln ist, dass sie im „Second Life“ wiederverwendet werden. Dieses „Second Life“ ist beispielsweise, dass mehrere 100 Akkus aneinander geschaltet werden und Solarenergie oder Windenergie speichern. Diese Energie kann wiederum für die Produktion genutzt werden. BMW arbeitet beispielsweise bereits seit einigen Jahren mit dieser Methode. Beim „Second Life“ wird die Batterie geschont, denn es gibt keine Beschleunigungs- und Rekuperationsphasen wie im Auto. Zudem wird die Batterie nur langsam geladen und entladen, was den Akku weiter schont. Experten gehen davon aus, dass eine Batterie inklusive „Second Life“ eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren hat und erst dann entsorgt werden muss. Das Recycling von Akkus steckt allerdings noch in den Kinderschuhen und so gibt es noch kaum Methoden, um möglichst viele Bestandteile des Akkus sinnvoll wiederzuverwerten, wenn der Akku nicht mehr anderweitig genutzt werden kann. Generell gibt die EU-Direktive 2006/66/EC Vorschriften allerdings vor, dass mindestens 50 % des Akkus recycelt werden können. Besonders sollen hier die Schwermetalle wie Kobalt und Nickel gesichert werden. Problematisch ist aber, dass der Rohstoff Lithium nur selten recycelt wird, da dies ein unedles Element ist und sich schnell mit anderen Elementen verbindet. Dies macht das Recycling teuer und aufwändig und ist somit für viele Unternehmen nicht wirtschaftlich.


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Zukünftiges Recycling

Inzwischen gibt es bereits einige Politprojekte, die das Ziel haben bis zu 95 % der Rohstoffe aus den Akkus wiederzugewinnen und somit möglichst wenig Rohstoffe zu verschwenden und CO2 zu sparen. Ein Beispiel für ein Recycling-Verfahren ist das pyrometallurgische Verfahren, bei welchem der komplette Akku geschmolzen wird und somit viele Metalle zurückgewonnen werden. Nachteil hierbei ist aber, dass beispielsweise Aluminium in der Schlacke landet und somit nicht wiederverwendet werden kann (= Beiprodukt bei der Metallherstellung, bei welcher die nichtmetallischen Komponenten miteinander verschmelzen). Eine andere Methode ist das thermisch-mechanische Verfahren, bei dem die giftigen Bestandteile verbrannt werden und der Akku somit ungefährlich wird. Auch hierbei können Metalle wie Nickel, Stahl und Aluminium zurückgewonnen werden. Allerdings kann man mit diesem Verfahren maximal 60 % des Akkus recyceln. Doch es gibt auch gute Nachrichten: denn die ersten Pilotprojekte lassen Erfolge erkennen. So hat beispielsweise das Unternehmen Saubermacher zusammen mit Redux Recycling GmbH ein Verfahren entwickelt, bei dem bis zu 95 % des Elektroauto-Akkus wiederverwendet werden können. Dieses Verfahren läuft über vier Stufen und wendet sowohl thermische Behandlung als auch mechanische Trennung an. Die Unternehmen geben an, in ihrem Werk innerhalb von einer Stunde bis zu 5 Tonnen der Lithium-Ionen-Batterien effizient aufbereiten zu können. Doch ein Problem gibt es hier: denn die sekundären Rohstoffe sind durch ihre Aufbereitung immer noch teurer als die Primärrohstoffe und so muss die Aufbereitung erst wirtschaftlicher werden, damit die recycelten Rohstoffe in die Produktion von neuen Akkus einfließen. Doch gerade auf die Wiederverwendung der Stoffe sollte in Zukunft vermehrt Wert gelegt werden, denn in der EU gibt es beispielsweise kein Vorkommen von dem Metall Kobalt, welches ebenfalls für die Herstellung der Akkus benötigt wird. So kommt momentan mehr als 70 % des Kobalts weltweit aus der Demokratischen Republik Kongo. Zusammenfassen lässt sich sagen, dass es zwar einige wenige Pilotprojekte gibt, allerdings sind die meisten hiervon noch in der Anfangsphase und es wird wohl noch ein paar Jahre dauern, bis das Recycling von E-Auto-Akkus perfektioniert ist.

Über die Autorin:

Birte ist seit 2021 Redakteurin bei emiwa und unsere Expertin für den hauseigenen Ratgeber. Sie begeistert sich für nachhaltige Mobilitätslösungen, studiert Publizistik im Master und schreibt die Ratgebertexte am liebsten in einem der vielen Wiener Kaffeehäuser.

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